7 | Nikolaus Thomas | himmelhochhinab

Stahl, Beton | 220 cm x 55 cm x 110 cm | Alter Flugplatz Bonames

himmelhochhinab

Rings um den Alten Flugplatz in Bonames frisst sich die Moderne in Form menschlicher Bauten und Geräusche in eine weniger denn mehr natürliche Natur. In den renaturierten Flächen des Flugplatzes ist es gerade umgekehrt, die Materialien der Moderne - Stahl, Beton, Asphalt - werden zerstört und bieten nun eine artenreiche Heimat für Flora und Fauna. Das Zerstörende wird zerstört und setzt ein Wachstum frei.
 Ein Stück Stahlrohr wird verbogen, deformiert, zerstört, und gerade dadurch lebendig. Die Struktur des Betons ist brüchig und löchrig, und nähert sich gerade deshalb der natürlicher Sedimente an. Es ist nicht in den Materialien was aus ihnen entstehen muss, es ist in den Köpfen der Menschen. Aus Beton und Stahl kann viel mehr entstehen, als es der vorherrschende Einsatz erahnen lässt.
 Am Anfang stand eine gerade, aufstrebende Leiter.  Mich hat das Scheitern am Leben in Hölderlins Biographie bewegt. Aber ohne diese Zerstörung, seinen Wahnsinn wäre Hölderlin nicht Hölderlin. Der Psychoanalytiker Arno Gruen sagt zum Thema Wahnsinn: „Das, was wir normal nennen, ist wirklich verrückt. Und viele von den Leuten, die wir als wahnsinnig einstufen, wir tun ihnen unrecht. Sie sind wahnsinnig, weil sie nicht leben können in einer Gesellschaft, die heuchlerisch ist. Deswegen werden sie verrückt. Die Verrücktheit könnte uns ja was sagen über uns selber.“

Wenn nun Hölderlins Wahnsinn seine größte Befreiung war?

Nikolaus Thomas

Nikolaus Thomas
1978 geboren in Mainz
seit 2004 Studium für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Kunst und Geographie an der Akademie für Bildende Künste Mainz und der Johannes Gutenberg Universität Mainz
Klasse Umweltgestaltung, Prof. Lieser
Homepage
www.nikolausthomas.de

 

Lebenslauf

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
 All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger,
  Doch es kehret umsonst nicht
   Unser Bogen, woher er kommt.

Aufwärts oder hinab! herrschet in heil‘ger Nacht,
 Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,
  Herrscht im schiefesten Orkus
   Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?

Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich,
 Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,
  Daß ich wüßte, mit Vorsicht
   Mich des ebenen Pfads geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
 Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,
  Und verstehe die Freiheit,
   Aufzubrechen, wohin er will.