15 | Jonathan Leo | Freiheit/Unfreiheit

Konzept | Holz | unverortet

Was ist Freiheit? Diese elementare Frage bestimmt das Leben des Johann Christian Friedrich Hölderlin, dem deutschen Lyriker. In zahlreichen Schriften und Gedichten begibt er sich auf die Suche, um Antwort zu finden.
 Die Arbeit Freiheit/Unfreiheit tastet sich an die Lebenssituationen Hölderlins heran - dabei ist es nicht das Ziel Bewertungen sondern Feststellungen hervorzuheben, die in Bezugnahme auf den Titel vorgenommen werden.
 Was bedingt Freiheit? Wo fängt Freiheit an, wo beginnt Unfreiheit?
Als Freidenker befürwortet Hölderlin die Französische Revolution, die seinerzeit im Nachbarland von den Worten Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit begleitet wird. Aber ob sie Freiheit für alle einbringt, muss genauer untersucht werden. Zumindest muss Freiheit erkämpft werden. Viele lassen ihr Leben. Also Tod als Opfer für Freiheit?
In Folge der Französischen Revolution ergreift Napoleon Bonaparte die Macht. Er führt einen Krieg, der auch von Hölderlin wahrgenommen wird. Also bedingt die Französische Revolution Krieg?
 Die genauen politischen Verhältnisse in Mitteleuropa, die Hölderlins Leben prägen, sollen an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden.
 Hölderlin lernt Susette Gontard kennen. Sie wird zu seiner großen Liebe. Wegen seines Verhältnis’ zu ihr verliert Hölderlin seine Arbeit als Hauslehrer in Frankfurt und er zieht zu seinem Freund Sinclair nach Bad Homburg. Von dort wandert er nach Frankfurt, um Susette heimlich zu treffen. Ohne Susette ist er nicht frei und er muss sie sehen. Besitzt Susette Hölderlins Freiheit?

 

In der Schönheit der Natur sieht Hölderlin seine große Liebe und er schreibt:

An Diotima,
Schönes Leben! Du lebst, wie die zarten Blüten im Winter,
In der gealterten Welt blühst du verschlossen, allein.
Liebend strebst du hinaus, dich zu sonnen am Lichte des Frühlings,
Zu erwarmen an ihr, suchst du die Jugend der Welt.
Deine Sonne, die schöne Zeit, ist untergegangen
Und in frostiger Nacht zanken Orkane sich nun.


 Nur weil es in der Natur Schönheit gibt, hat sie auch unschöne Seiten. Beides bedingt sich gegenseitig. Aus dem Schönen wird das Hässliche, das Unschöne bringt das Schöne hervor – fließend. Man könnte sagen: Solange man Freiheit in der bedingten Welt sucht, wird man auch immer Unfreiheit finden. Es klingt vermessen ein Menschenleben mit solch wenigen Worten zu kommentieren. Kennen wir Hölderlin denn wirklich?
 Die Arbeit Freiheit/Unfreiheit will keine Antwort geben, will nicht bewerten sondern allerhöchstens Feststellungen hervorheben. Dazu werden Bausteine verwendet, die Bedingtheit, Gegensätzliches und Ursache und Wirkung verkörpern: Breite Steine liegen neben schmalen, untere Steine tragen obere, hohe Steine stehen niedrigen gegenüber.
 Als Material dient Holz. Es stellt den in dieser Arbeit genutzten Begriff der Bedingtheit am besten dar, weil Holz ein Naturprodukt ist, welches, wie man sagt, ‚arbeitet’. Es ist nicht statisch in seiner Form und fließenden Veränderungsprozessen unterworfen.

Jonathan Leo

Jonathan Leo
1984 geboren in Büdingen
April 2005 Studienbeginn in Mainz, Kunst und Englisch
Klasse Prof. Friedemann Hahn, Malerei