Die Unterscheidung von Nutz- und Lustgärten mit dinglich getrennten Inhalten ist eine rein subjektive und zeitgebundene; sie hat mit Kunst oder Wirtschaft an sich nichts zu tun; sie ist Ergebnis der wechselnden sozialen oder ästhetischen Grundeinstellung der jeweiligen Gartenmenschen.
Leberecht Migge
Gartentechnik und Gartenkunst
in „Die Gartenschönheit“, Nr. 4, 6. Jg. 1925
Ernst Mays Siedlung „Römerstadt“ war Teil des sozialen Wohnungsbaus der sich industrialisierenden Stadt Frankfurt am Main in den 1920er Jahren. Als Antwort auf die Mietskasernen der Arbeiter wurde einfaches, aber gesundes und modernes Wohnen mit Lebrecht Migges Ideen des öffentlichen Parks für die Erholung und den eigenen Garten zur Selbstversorgung verbunden. Wie die Frankfurter Küche im Haus, war der Garten auf dem letzten Stand der Technik. Durch die vorgegebene Anlage von ertragreichen Nutzpflanzen sollte der Garten eine „Bodenrente“ abwerfen, den Lebensstandard der Bewohner sichern und mit der Zeit erhöhen.
Als Antwort auf die Standardisierung der von ihm geplanten Gärten sah Migge die Variation durch den Gebrauch / die Mitarbeit des einzelnen Siedlers. Mehr noch, dessen mitschöpferische Bepflanzung des (Nutz-)Gartens war für ihn eine Kulturarbeit. Alltägliche Gartenarbeit und Gartenleben sollten eine „Gartenkultur als Natur und Kunst“ bilden. Vergleicht man heute den rekonstruierten Migge-Garten mit den Nachbarsgärten, kann man sich also fragen, was sie über unsere Kultur, Lebensweise und Gesellschaft aussagen.
Zeige mir deinen Garten, und ich sage dir, wer du bist!















































